Thrombozyten und Proteinfaltungsstörungen bei Herzamyloidose

PIs: Stephan Dobner/Alice Assinger

Kardiale Amyloidose ist eine fortschreitende Herzerkrankung, die durch die Ablagerung fehlgefalteter Proteine im Herzgewebe verursacht wird und zu Herzinsuffizienz sowie zu einer ungewöhnlichen Kombination aus erhöhtem Thrombose- und Blutungsrisiko führt. Die derzeit verfügbaren diagnostischen Verfahren erlauben jedoch nur eine eingeschränkte Einschätzung des Zusammenhangs zwischen Amyloidlast und funktioneller Herzschädigung und bieten nur begrenzte Unterstützung für Therapieentscheidungen.

Dieses Projekt untersucht, wie Thrombozyten – zentrale Zellen der Blutgerinselbildung – auf fehlgefaltete Amyloidproteine reagieren und ob sie als leicht zugängliche Biomarker für Diagnose, Stadieneinteilung und Therapieüberwachung dienen können. Anhand von Patientenproben und modernen experimentellen Modellen analysiert das Team, wie Amyloidproteine die Thrombozytenfunktion verändern und inwieweit protein-stabilisierende Therapien diese Effekte beeinflussen.

Ziel ist es, thrombozyten- und plasma­basierte Biomarker-Signaturen zu identifizieren, die Krankheitsverlauf und Therapieansprechen zuverlässig abbilden, und gleichzeitig Mechanismen aufzudecken, die zu thrombotischen und hämorrhagischen Komplikationen beitragen. Langfristig soll die Forschung eine präzisere, individualisierte Behandlung ermöglichen, die Therapiesicherheit erhöhen und die Prognose von Patient:innen mit kardialer Amyloidose verbessern.

Thrombozytenbasierte Biomarker zur Verbesserung der Hämokompatibilität medizinischer Geräte

PIs: Marcus Granegger/Alice Assinger

Medizinische Geräte mit Blutkontakt – etwa Herzpumpen, Herzklappenprothesen oder extrakorporale Kreislaufsysteme – setzen das Blut unphysiologischen mechanischen Belastungen aus. Diese können sowohl Gerinnungsreaktionen als auch Blutungskomplikationen auslösen und dadurch die Patientensicherheit beeinträchtigen. Unser Projekt untersucht, wie Thrombozyten – zentrale Zellen der Blutgerinnung – auf solche mechanischen Kräfte reagieren, und zielt darauf ab, Biomarker zu identifizieren, die individuelle Blutschäden frühzeitig vorhersagen können.

Dazu kombinieren wir kontrollierte Laborexperimente, klinische Patientenstudien und computergestützte Simulationen, um systematisch zu erfassen, wie Thrombozyten unter verschiedenen Strömungsbedingungen aktiviert werden, Aggregate bilden, extrazelluläre Vesikel freisetzen und Rezeptoren verlieren. Auf Basis dieser Daten entwickeln wir Vorhersagemodelle als Grundlage für personalisierte Geräteeinstellungen und sicherere technische Designs. Langfristig soll diese Forschung dazu beitragen, Komplikationen zu reduzieren, die Behandlungsergebnisse von Patient:innen mit mechanischer Kreislaufunterstützung zu verbessern und neue Ansätze für eine personalisierte kardiovaskuläre Medizin zu ermöglichen.

Kurzbiografien

Dr. med. Stephan Dobner, PhD, MSc, ist Facharzt für Kardiologie und klinischer Forscher mit Fachkenntnissen in den Bereichen Herzinsuffizienz, kardiale Amyloidose und translationale Herz-Kreislauf-Medizin. Er absolvierte seine Ausbildung an führenden internationalen Einrichtungen, darunter die Harvard Medical School/Brigham and Women’s Hospital, die Universität Kapstadt (PhD) und die Universität Oxford (MSc in klinischen Studien). Derzeit ist er als Kardiologe an der Klinik Ottakring (Wilhelminenspital) tätig, leitet die Abteilung für klinische Forschung und Studien in der Kardiologie und ist Forschungsgruppenleiter am ICCI, der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. Dr. Dobner verfügt über umfangreiche Erfahrung als Hauptprüfer und Prüfer in internationalen klinischen Studien der Phasen II–III und Registern, mit einem starken Fokus auf Amyloidose, Herzinsuffizienz und Kardio-Onkologie. Er ist Fellow der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und engagiert sich aktiv in der klinischen Lehre, Mentorschaft und interdisziplinären Forschung.

Dr. Marcus Granegger ist assozierter Professor und Gruppenleiter an der Abteilung für Herzchirurgie der Medizinischen Universität Wien. Er leitet das Christian-Doppler-Labor für mechanische Kreislaufunterstützung, dessen Leiter er seit 2023 ist. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung fortschrittlicher Technologien zur mechanischen Kreislaufunterstützung mit den Schwerpunkten Herzbiomechanik, Hämokompatibilität und Blut-Gerät-Interaktion. Mithilfe einer Kombination aus experimentellen Plattformen, Computermodellen und translationaler Forschung entwickelt er physiologiebasierte Lösungen für Herzinsuffizienz und angeborene Herzfehler. Er ist international anerkannt für die Umsetzung technischer Innovationen in klinisch anwendbare kardiovaskuläre Therapien.

Dr. Alice Assinger ist Direktorin des Ludwig Boltzmann Instituts für Herz-Kreislauf-Forschung und ordentliche Professorin am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Thrombozytenbiologie und extrazelluläre Vesikel, mit besonderem Augenmerk auf deren Wechselwirkungen mit Immunzellen bei Herz-Kreislauf- und Leberentzündungen sowie die Identifizierung zirkulierender Biomarker wie microRNAs, Proteine und Lipide. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in der translationalen und interdisziplinären Forschung, wobei sie experimentelle und computergestützte Ansätze kombiniert. Prof. Assinger hat zahlreiche Artikel in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht, hält Patente und betreut aktiv Doktoranden, Postdoktoranden und Kliniker, während sie gleichzeitig in Redaktionsbeiräten und als Gutachterin für wichtige wissenschaftliche Fachzeitschriften tätig ist. Sie ist international für ihre Beiträge zur Thrombozyten- und Immunologieforschung anerkannt.